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Das Wärmebildgerät – hervorragend sehen bei Tag, Nacht und Nebel

Der Stellenwert der Nachtjagd ist für den deutschen Jäger in letzten Jahren rapide gestiegen. Der stetig wachsende Zivilisationsdruck in einem so dicht besiedelten Land wie Deutschland zwingt die wildlebenden Tiere in die Nachtstunden. Ein sinnvoller zusätzlicher Ausrüstungsgegenstand für die Nachtjagd ist ein Wärmebildgerät zur Beurteilung der Hintergrundgefährdung und dem korrekten Ansprechen von Wild bei Nacht. Im folgenden Artikel möchten wir gerne genauer auf die Wärmebildtechnik und den jagdlichen Nutzen eingehen.

Zur Nachtjagd gehört neben sehr gutem Können natürlich auch viel Disziplin. Jeder nachtaktive Jäger wird schon mal die Erfahrung einer erfolglos durchsessenen Nacht gemacht und enttäuscht den Ansitz verlassen haben. Diese Erfahrungen dürfen allerdings nicht zu einer niedrigeren Hemmschwelle für den Schuss führen. Der waidmännische Gedanke beinhaltet vorrangig die Hege und zur Hege gehört Disziplin. Aus diesem Grund geht ein guter Nachtjäger keine Kompromisse ein! Ein Hilfsmittel hierfür kann das Wärmebildgerät sein, dessen Technik und Einsatzmöglichkeiten wir beschreiben wollen.

Die Technik des Wärmebildgerätes

Ein Wärmebildgerät (oder Wärmekamera, Thermal-, Thermographi- oder Infrarotkamera) ist ein bildgebendes Gerät zur Darstellung von Infrarotstrahlung. Häufig stößt man auch auf dem militärischen Begriff FLIR, dieser steht für Forward Looking Infrared. Infrarotstrahlung liegt im Wellenlängenbereich/ Spektalbereich von ca. 0,7 µm bis 1000 µm allerdings machen sich die Wärmebildgeräte lediglich den Bereich von ca. 3,5 bis 15 µm zu nutze. Dieser Spektalbereich ist das sog. mittlere- und langwellige Infrarotlicht, welches sehr gut für die Darstellung von Temperaturen im Umgebungstemperaturenbereich geeignet ist. Ein in dieser Form aufgebautes Wärmebildgerät macht das für den Menschen unsichtbare mittlere Infrarotlicht eines Körpers über einen Bildgeber in Form von Heatmaps/ Heatpictures sichtbar.

Aufgebaut ist das Wärmebildgerät wie jede herkömmliche Kamera. Es verfügt über ein Objektiv, einen Gehäusekörper, elektronischen Sensor, sowie ein Okular in dem ein Display zur Darstellung der Infrarotstrahlung verborgen ist. Der Unterschied zur herkömmlichen Kamera liegt in den Bildsensoren. Eine herkömmliche Kamera ist nicht in der Lage das besonders langwellige Infrarotlicht darzustellen, die Sensoren einer Wärmebildkamera sind jedoch auf genau dieses Licht spezialisiert. Zudem kann das langwellige Licht lediglich als Intensitätsinformation angezeigt werden, das bedeutet die von einer Wärmebildkamera erzeugten Bilder sind in unterschiedlichen Graustufen dargestellt. Viele Geräte haben eine 8 Bit Graustufendarstellung. Da ein Mensch allerdings diese vielen Graustufen nicht unterscheiden kann, sollte man auf eine Falschfarbendarstellung oder eine eingefärbte Darstellung zurückgreifen. Es gibt viele Möglichkeiten der eingefärbten Darstellung. So können die wärmsten Punkte eines Körpers mit Weiß dargestellt sein, die Punkte mittlerer Wärme mit Gelb-/ Rottönen und die Körperteilen mit geringster Wärmeabstrahlung mit Blautönen.

Das Ganze funktioniert, indem über ein Objektiv die Infrarotstrahlung auf einen Bildsensor projiziert wird. Hierfür verwenden die modernsten Optiken Mikrobolometerarrays, die die Strahlung über eine dünne Vanidiumoxid beschichtete Scheibe absorbieren und als elektronische Spannung zur Darstellung auf dem Bildsensor wiedergeben.

Wie kann ich diese Technik nun jagdlich nutzen?

Grundsätzlich kann man sagen, dass jeder Fehlschuss, der durch den Einsatz von Wärmebildtechnik verhindert wurde, den Kauf eines solchen Gerätes rechtfertigt. Die Stärke von Wärmebildgeräten liegt aus diesem Grund nicht beim Schuss selbst, sondern in der Vor- und Nachbereitung des Schusses.

Allein die Eindringtiefe mancher Geräte ist schon überragend und ich kann auf mehrere hundert Meter stehendes, wie wechselndes Wild frühzeitig bereits beobachten und mit dem Wärmebildgerät verfolgen. Das Thermalbild nimmt selbst die kleinsten Temperaturunterschiede durch die unterschiedlichen Wellenlängen war. Selbst durch Nebel und durch die Vegitation hindurch kann ich so zuverlässig Wild im Revier aufklären. Die Detektionsfähigkeit gegenüber dem menschlichen Auge ist damit einfach überragend.

So habe ich die Möglichkeit vor dem Schuss über das Wärmebildgerät die Hintergrundgefährdung genau zu beurteile. Befinden sich um das Stück, welches ich beschießen möchte, noch andere Stücke? Gefährde ich durch meinen Schuss andere in der Nähe befindliche Lebewesen (Wärmequellen). Zudem kann ich das Wild genauer ansprechen und besser beurteilen, ob ich das Stück beschießen möchte, da die kleinsten Details durch gute Wärmebildgeräte dargestellt werden.

Nach dem Schuss, kann ich durch einen schnellen Wechsel von meiner Jagdwaffe zum Wärmebildgerät sehr genau beobachten, wie das Wild zeichnet bzw. ob das Wild im Schuss lag. Sollte das Stück nicht im Schuss gelegen haben, kann ich gut beurteilen, wohin das Wild abgesprungen ist und kann es weiterhin beobachten, um die Nachsuche zu erleichtern.

Für die Nachsuche sind Wärmebildgeräte ebenfalls gut geeignet. Einige Revierpächter besitzen keinen Hund für die Nachsuche und sind somit auf Hundeführer aus der Umgebung angewiesen. Für diese Revierpächter bietet das Wärmebildgerät die Möglichkeit eine Nachsuche durchzuführen. Durch die Eindringtiefe des Wärmebildgerätes kann man bis zu 15m in den Wald hineinschauen und auf diese Weise Wärmequellen detektieren. Hat man sich nach dem Schuss den Einwechsel des Wildes in den Wald gemerkt, kann man mittels des Wärmebildgerätes eine Nachsuche beginnen. Hier sollte man sich jedoch nicht alleine auf die Technik verlassen, denn einen guten Nachsuchenhund kann kaum etwas ersetzen. Zum Thema der technische Nachsuchenführung allerdings mehr in einem anderen Artikel.

Sollte man das Bedürfnis haben, einfach mal das Wild in seinem Revier zu beobachten, kann die Wärmebildtechnik sehr nützlich sein. Nehmen sie doch einfach mal an einem Seminar teil und überzeugen sie sich von den hervorragenden Beobachtungsmöglichkeiten, die ihnen ein Wärmebildgerät bietet.

Das aus unserer Sicht größte Anwendungsfeld für die Wärmebildtechnik ist die Wildrettung. Wer das nötige Geld hat, kann eine Wärmebildkamera dazu nutzen, im Vorfeld der Mahd, durch Beobachtung mit einem Wärmebildgerät, Wild das in den Feldern nieder gemacht werden würde, zu erkennen und dieses frühzeitig vor dem Mähdrescher zu retten.

Was sind die Vorteile eines Wärmebildgerätes?

  • Im Gegensatz zu Restlichtverstärkern, sind Wärmebildgeräte Tageszeitunabhängig. Sie haben die Möglichkeit sowohl bei Tag als auch bei Nacht Wild zu boebachten bzw. eine Nachsuche durchzuführen.
  • Wärmebildgeräte sind nicht nur unabhängig von der Tageszeit auch Witterungseinflüsse, wie Nebel oder Regen beinträchtigen die Fähigkeiten von Wärmebildgeräten in nur sehr geringen Maße.
  • Sie können Wärmebildgeräten zum Wildschutz einsetzen, indem Sie mittels der Technik Wild in gefährdeten Gebieten detektieren bevor es Schaden nimmt.
  • Bei modernen Wärmebildgeräten haben Sie die Möglichkeit aufgrund der genauen Beobachtungsmöglichkeiten, das Wild sehr genau anzusprechen. Dies ist auch unter dem Gesichtspunkt der Waidgerechtigkeit ein nicht zu vernachlässigender Punkt.
  • Durch die Wärmebildtechnologie können Sie die Hintergrundgefährdung bereits vor dem Schuß und bei Dunkelheit besser beurteilen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, das sich der Kauf eines Wärmebildgerätes auf jeden Fall lohnt. Wir durften einige Geräte testen und sind zu dem Schluß gekommen, dass moderne Technik und Waidgerechtigkeit keine Gegensätzliche Begriffe sind, sondern miteinander einhergehen.

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